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04.06.2023

KONRAD BIRKENSTOCK: DER GEBURTSTAG DES ERFINDERS DES FUSSBETTS JÄHRT SICH HEUTE ZUM 150. MAL

Konrad Birkenstock im Jahr 1924 (Bild: BIRKENSTOCK)

Linz, am Rhein, 04.06.2023 – Heute vor 150 Jahren, am 4. Juni 1873, wurde Konrad Birkenstock in einer Kleinstadt nordwestlich von Frankfurt am Main geboren. Konrad Birkenstock entwickelte einen anatomisch geformten plastischen Leisten - Grundlage für den modernen Schuh – und erfand das bis heute im Kern unveränderte BIRKENSTOCK Fußbett und legte damit das Fundament für eine Weltmarke. Doch Konrad war nicht nur Erfinder, er revolutionierte die Art wie Schuhe gefertigt wurden und wie wir bis heute über Schuhe und deren Funktion denken – eine bahnbrechende Erfindung, die er bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als „Gesundheits-Schuhwerk“ patentieren ließ. Der unter nehmerische Erfolg blieb dem Tüftler indessen verwehrt. Von den Ideen der Schuhreformer inspiriert, war er seinen Zeitgenossen gedanklich weit voraus. Seine Idee – den Fuß zu „betten“ und dabei die anatomischen Bedürfnisse des menschlichen Fußes zu respektieren – ist heute aktueller denn je. Damit erfährt das Lebenswerk des zu Lebzeiten von seinen Kritikern angefeindeten Erfinders eine späte Würdigung.

Konrad Birkenstock war der jüngste Spross einer Schuhmacher-Dynastie, die fast 100 Jahre in ländlicher Region lebte. Konrad war nicht einfach nur ein Schuhmacher, wie seine Vorfahren. Er verließ schon für seine Lehre das heimische Dorf, ging dafür nach Friedberg, und verkaufte nach Abschluss seiner Lehre – seine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt gerade gestorben – sein Erbe und zog nach Frankfurt am Main. Frankfurt war damals eine der Hochburgen des Schuhmacherhandwerks in Deutschland. Konrad Birkenstock wurde Schuhmachermeister. Sein junges Unternehmen führte später den Titel "Orthopädische und Mode-Schuhmacherei".
 

Der vollplastische Leisten – Grundlage für den modernen Schuh

Konrad zählte zu einer Gruppe von jungen Schuhmachern, die sich ebenso wie die junge Schuhindustrie von der Theorie der Schuhreform inspirieren ließen. Diese führte die Wissenschaft in der Schuhherstellung ein und entwickelte im Deutschen Kaiserreich ein neues Verständnis von Schuhen. Der aus Frankfurt am Main stammende Anatomie professor Hermann von Meyer trat mit diesen Ideen erstmals an die Öffentlichkeit. Es waren aber Theorien. Sie bedurften dieser jungen, innovativen Schuhmacher, die sie mit Leben füllten. So entwickelt Konrad seinen vollplastischen Leisten. Bis dahin waren die Leisten, auf denen Schuhe gefertigt wurden, symmetrisch und teils sogar eckig geformt. Sie dienten dem Zweck schnell und einfach Schuhe herstellen zu können. Auf die Folgen für die Füße achtete niemand. So entstanden massenhaft Fehlstellun gen und andere schmerzhafte Fußleiden durch diese Art der Schuhe, an Bequemlichkeit war gar nicht zu denken.

Der vollplastische Leisten folgte der Anatomie des Fußes in Umriss und Volumen und sorgte auf diese Weise dafür, dass die Füße beim Tragen der Schuhe keine gesundheit lichen Beeinträchtigungen davontrugen. Der moderne Schuh war geboren. Nach Konrad Birkenstock sollte jedoch auch die Sohlenbahn wie beim natürlichen Fuß plastisch geformt sein. Schon für einen Schuhmacher kaum zu fertigen, war dies der Industrie unmöglich. Diese Innovation Konrad Birkenstocks sollte die erste einer Reihe werden, die kompromisslos blieben, in ihrem Ziel das Beste für den menschlichen Fuß zu erreichen. Aber den traditionellen Schuhmachern war der vollplastische Leisten, der ein komfor tables wie auch deutlich gesünderes Gehen in Schuhen erlaubte, nicht schmackhaft zu machen. Sie waren nicht nur rückwärtsgewandt, sondern scheuten auch den höheren Arbeitsaufwand. So wurde der Erfindergeist von Konrad Birkenstock nicht belohnt, der wirtschaftliche Erfolg blieb zunächst aus.


 

Vollplastischer Leisten nach Konrad Birkenstock (Bild: BIRKENSTOCK 2023)

 

Das Birkenstock FuSSbett – eine Revolution im Schuh

Doch dieser Rückschlag hielt Konrad nicht davon ab, weiter an seiner Vision zu arbeiten – und Schuhe zu entwickeln, die keinen Schaden anrichteten. So erfand er nur wenige Jahre später 1902 eine erste flexible (und metalllose) Einlage. Diese ermöglichte es dem Fuß, im Schuh besser abzurollen. Das Gehen, wie es von der Natur für den mensch lichen Fuß vorgesehen war, wurde noch besser nachgebildet. Die Birkenstock-Einlage war plastisch und elastisch, flexibel.

Die Kombination seines vollplastischen Leistens und seiner Einlage ließ der Schuh machermeister Konrad Birkenstock als Patent für ein „Gesundheits-Schuhwerk“ eintragen und vergab Lizenzen zur handwerksmäßigen Herstellung nach den gesetzlich geschützten Gebrauchsmustern Nr. 266642, 267623 und 273690. Der gesetzliche Schutz des Leistens und der bei Eintragung als „Fußbett“ bezeichneten Einlage erfolgte bereits vor 1909.

Über zehn Jahre tüftelte Konrad am Materialmix für die flexible Einlage. Zunächst waren die flexiblen Einlagen aus einem Pappe-Leder-Mix gefertigt, über die Jahre fügte Konrad dann erstmals auch Kork dem Materialmix bei. Das leichte Kork konnte damals aber noch nicht zum Hauptmaterial avancieren, ließ es sich doch ohne Latex, dem späteren Bindemittel, nicht hinreichend biegen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Fußbett aus einer Kork-Gummi-Mischung gefertigt. 1911 wurde das Fußbett, das zunächst mit weißem Lack überzogen war, dann mit Segeltuch überzogen, was den Tragekomfort erneut erhöhte.

Über das jahrelange Probieren vergaß Konrad Birkenstock das Verkaufen, sodass sein Streben nach Perfektion die Finanzen des Unternehmens aufgebraucht hatte. Konrad Birkenstock zog zwar seit Jahren von Schuhmacher zu Schuhmacher und hielt Vor träge auf Messen. Indes, der unternehmerische Erfolg blieb aber aus. 1910 war er ge zwungen, seine flexible Einlage, die er später unter dem völlig neuen Namen „Fußbett“ schützen ließ, in Lizenz über die Patent-Zentrale GmbH in Frankfurt am Main zu verkaufen. Geld trieb Konrad nicht an. Die Idee war sein Motor.

 

Werbetafel für das BIRKENSTOCK Fußbett, 1920er Jahre (Bild: BIRKENSTOCK 2023)

 

Die Geldnöte ließen die Familie 1915 Frankfurt am Main verlassen und nach Friedberg übersiedeln, dort unterstützten nun Konrads ältester Sohn Carl sowie seine Ehefrau Elisabeth, die Prokura erhielt. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Konrad Birkenstock nämlich in der Friedrichsheimer Klinik in Frankfurt am Main und dort in der Orthopädischen Werkstatt. Dort konnte er intensiv Fußdefekte und deren Heil methoden studieren. So kam er zum Schluss, dass seine flexible Einlage besser geeignet war, Fußkrankheiten zu heilen als die noch immer von der Medizin eingesetzten Metall-Einlagen.

Diese Metalleinlagen hatten lange Tradition, weil erste Heilmittel durch Schmiede aus Metall nach Vorgaben von Ärzten entwickelt worden waren. Die Orthopädie entstand mit Beginn des 20. Jahrhunderts, erste Verbände schlossen sich in den 1920er Jahren zusammen. Konrad Birkenstock nannte sein Geschäft schon in den 1910er Jahren „Orthopädische und Mode Schuhmacherei“. Zu dieser Zeit gab es noch den Beruf des Bandagisten, der Fußkrankheiten und Fehlstellungen heilte.

Konrad Birkenstock trug seine Beobachtungen und Erkenntnisse zum fußgesunden Gehen und Schuhwerk in medizinischen und orthopädischen Fachkreisen vor. Die vielfachen Vorträge des Schuhmachermeisters und Empirikers wurden von den Theoretikern ins Lächerliche gezogen, weil sie den Nicht-Mediziner Birkenstock nicht ernst nahmen.

 

Das „blaue“ Fußbett von Birkenstock, 1930er Jahre (Bild: BIRKENSTOCK 2023)

 

FAMILIEN-MISSION FUSSGESUNDHEIT

So hätte die Geschichte beinahe ein Ende gefunden, da Konrad sich frustriert zurückzog. Doch sein Sohn Carl, geb. 1900, der seinen Vater schon mit 13 Jahren begleitet hatte, dessen Vorträge kannte und mit seinen Ideen vertraut war, hatte
den tieferen Sinn der Erfindungen seines Vaters verstanden.

Der Bedarf in der Bevölkerung war groß. Infolge des Ersten Weltkriegs litten Millionen von Soldaten an Fußproblemen, so dass der Verkauf des BIRKENSTOCK Fußbetts stieg. So stark, dass Konrad Birkenstock 1925 in Friedberg erstmals eine eigene Fabrik kaufen konnte, um Fußbetten in größeren Mengen herzustellen.

Sein Sohn Carl Birkenstock etablierte das System Birkenstock, hielt Schuhmacher an, vollplastische Leisten und flexible Einlagesohlen zu kombinieren, unterrichtete tausen de Schuhmacher, Schuhverkäufer und Orthopäden und verfasste Schriften basierend auch auf seinen Beobachtungen zum – wie er es nannte – naturgewollten Gehen. Dabei unterschied die Methode der Birkenstocks sich von anderen, in dem nicht die Einlagen an den Schuh, sondern die Einlagen an den Fuß angepasst wurden.

Wie sein Vater Konrad, war auch Carl kompromisslos, und verkaufte das Fußbett
der Familie nur noch dann an Schuhgeschäfte und Schuhmacher, wenn diese seinen Schulungskurs zur richtigen Anwendung, also Anpassung an den Fuß des Kunden, durchlaufen hatten. Er positionierte sich damit gegen die Ärzte und einen Teil der Orthopäden, die noch immer auf die Metalleinlagen bei der Behandlung kranker Füße setzten.

 

Konsequente Fortführung der Ideen Konrad Birkenstocks – der Ideal-Schuh

Sein Wissen bündelte er 1936 in seinem patentierten „Ideal-Schuh“, der die bislang lose im Schuh verwendete flexible Einlage dort fixieren sollte und einen kompletten Schuh nach den Vorgaben seiner Ideale darstellte. Mehrere hundert Exemplare fertigte er von Hand – mit großem Erfolg und positivem Feedback der Experten. Es bedurfte noch zwei Jahrzehnte seiner Energie und der Genialität seines Sohnes Karl (geb. 1936), bis 1963 schließlich eine in Bezug auf das Design auf das notwendigste reduzierte Light-Version des Ideal-Schuhs – die Original BIRKENSTOCK-Fußbett Sandale in Massenproduktion hergestellt werden konnte.

Der Ideal-Schuh hingegen wurde bis heute nicht in Serie gefertigt. Konrad verstarb 1950 und konnte die Geburt der Sandale nicht mehr erleben.

Während die Schuh-Mode sich auch nach den Erkenntnissen von Konrad, Carl und Karl Birkenstock in diversen Stilen auslebte und nach wie vor wenig Rücksicht auf die Fuß-gesundheit nahm, ging die Idee Konrad Birkenstocks auf leisen Sohlen ihren Weg. Über Berufsbranchen, in denen Gehen ein tägliches Geschäft ist und die aus diesem Grund, die Vorzüge des naturgewollten Gehens intuitiv begriffen auf der einen Seite und den Sub kulturen auf der anderen Seite eroberten die Sandalen-Modelle die Welt.

Unaufgeregt und selbstverständlich trugen sie dabei Werte in die Schuh-Welt, die uns heute geläufig erscheinen. So kam die erste Original BIRKENSTOCK Fußbett Sandale bereits als unisex-Modell auf den Mark; ein disruptives, innovatives Konzept.

Hinzu kam ein überraschendes Design des ersten Modells. Es orientiert sich zwar am Zeitgeist des Brutalismus und schuf somit sichtbare Materialien auf klaren Linien. Es war jedoch der Trend der Architektur, nicht der Schuh-Welt. Karl Birkenstock schuf mit diesem innovativen Schuh-Design, das den Anspruch auf Modernität hatte und gleich zeitig dem Ideal der Familie folgte, eine Ikone. Bis heute nahezu unverändert haben diese Sandalen unser Verständnis vom Schuhwerk verändert.
 

DER ZEIT VORAUS

Mainstream war Birkenstock also nie. Konrad war seiner Zeit weit voraus als er seine Innovationen entwickelte, Carls Ideal-Schuh wurde bis heute nicht realisiert und auch Karl brach so intensiv mit dem Verständnis der Schuhfachhändler, dass das Unter nehmen nur knapp dem Konkurs entkam.

In dem Jahr, das dem 250-jährigen Traditionsjubiläum von Birkenstock vorangeht, ist eine Erinnerung an den 150. Geburtstag von Konrad Birkenstock angemessen. Er formte das Fußbett, das Herzstück jedes BIRKENSTOCK Schuhs, und er brachte eine Idee in die Welt, die dem Unternehmen bis heute einen Purpose verleiht: in unserer betonier ten Lebenswelt das naturgewollte Gehen zu ermöglichen.

 

Anzeige, 1950er Jahre (Bild: BIRKENSTOCK 2023)

Über BIRKENSTOCK

BIRKENSTOCK ist eine globale universale Marke, die sich gleichermaßen an alle Konsumenten unabhängig von Geographie, Geschlecht, Alter und Einkommen wendet und einem klaren Purpose verpflichtet ist – dem Erhalt der Fußgesundheit. Tief verwurzelt in der Erforschung der Biomechanik des menschlichen Fußes und getragen von einer Familientradition in der Schuhmacherei, die sich bis ins Jahr 1774 zurückverfolgen lässt, ist BIRKENSTOCK eine zeitlose „Super Brand“ mit einer Kategorie übergreifenden Produkt- und Markenwelt, die von Einstiegs- bis Luxuspreislagen reicht und dem wachsenden Bedürfnis nach einer bewussten und aktiven Lebensgestaltung Rechnung trägt. Funktion, Qualität und Tradition sind die Kernwerte der Lifestyle-Marke, die Produkte in den Bereichen Schuhe, Schlafsysteme und Naturkosmetik umfasst. BIRKENSTOCK ist der Erfinder des Fußbetts und hat das Prinzip des naturgewollten Gehens geprägt.

Mit weltweit rund 6.200 Mitarbeitern glauben wir, dass die Art und Weise, wie Dinge hergestellt werden, genauso wichtig ist wie das Produkt selbst. Um diese Qualitätsstandards zu gewährleisten, betreiben wir eine vertikal integrierte Fertigung und produzieren alle unsere Fußbetten in Deutschland. Darüber hinaus montieren wir über 95 % unserer Produkte in Deutschland und beziehen über 90 % unserer Materialien und Komponenten aus Europa. Wir verarbeiten unsere Rohstoffe nach den höchsten Umwelt- und Sozialstandards der Branche und verfügen über hochmoderne wissenschaftliche Labore zur Materialprüfung.

BIRKENSTOCK ist in Deutschland mit operativen Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Mit Hauptsitz in Linz am Rhein, betreibt die BIRKENSTOCK Group Vertriebsniederlassungen in den Vereinigten Staaten und Kanada sowie in Brasilien, Japan, Dänemark, Polen, Schweiz, Schweden, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, den Niederlanden, Dubai, Singapur und Indien.

Birkenstock Group B.V. & Co. KG
Burg Ockenfels, Linz am Rhein, Deutschland

Unseren Onlineshop finden Sie unter www.birkenstock.com

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